Arbeiten mit dem iPad

Wie die meisten nutze auch ich das iPad für Information, Kommunikation und Entertainment.  Dafür ist das Ding perfekt. Aber eignet sich das iPad auch für  „ernsthaftes“ Arbeiten – längere Texte schreiben, umfangreiche Präsentationen erstellen, Webseiten gestalten, mit Servern kommunizieren usw.? Ich habe es ausprobiert.

Auf den ersten Blick eignet sich das iPad wegen dreier Merkmale nicht besonders für solche Aufgaben:

  1. Es hat lediglich eine Bildschirmtastatur. Die reicht zum Schreiben kurzer Texte aus, ist jedoch nichts für umfangreiche Textbearbeitung. Eine Maus kann man (zumindest ohne Jailbreak) nicht anschließen.
  2. Das Dateisystem des iPad gibt sich nicht besonders zugänglich; das meiste ist vor dem Benutzer versteckt. In der Grundausstattung bringt es nicht einmal einen Dateimanager mit.
  3. Wenn es um die physikalische Verbindung zur Außenwelt geht (Datenaustausch), gibt sich das iPad wenig anschlußfreudig. So fehlt beispielsweise ein USB-Port zum Anschluß externer Spechermedien.

Zum Glück gibt es Lösungen, mit denen diese Einschränkungen umgangen werden können:

  1. Die Bildschirmtastatur habe ich durch eine relativ preiswerte (ab etwa € 40) Bluetooth-Tastatur und einen Mini-Klappständer ergänzt. Da sie ist nicht zu klein ist, kann ich damit fast so gut wie mit einer normalen Notebook-Tastatur tippen. Die Tastatur hat eine Reihe von nützlichen Zusatzfunktionen wie Sonderzeichen und Tasten für die Navigation in einem Dokument.

    Als es neulich bei Lidl eine preiswerte Schutzmappe inklusive Tastatur gab, habe ich mir das auch gekauft:

    tastatur_mappe
    Beide Lösungen haben Vor- und Nachteile. Die Lösung aus externer Tastatur und Mini-Klappständer ist flexibler, allerdings muss ich, wenn ich unterwegs bin, zwei zusätzliche Geräte mit mir rum tragen. Die Schutzmappe ist inklusive iPad ein Teil, allerdings nicht ganz so flexibel: Ich kann die Tastatur nicht heraus nehmen und das iPad passt nur im Querformat in die Hülle.
  2. Auf das zugenagelte Dateisystem bekomme ich ohne Jailbreak zwar keinen Zugriff, doch kann man es durch ein quasi eigenes Dateisystem im Netz auf Cloud-Diensten wie Dropbox, Skydrive u.a. – ergänzen. Darauf hat man dann Zugriff, wenn die genutzten Apps das Speichern im und Laden aus dem Netz unterstützen. Immer mehr Apps bringen solche Schnittstellen mit.
  3. Auf ähnliche Weise umgehe ich das Problem der nicht anschließbaren externen Speichermedien: „Dropbox“ statt USB-Stick.

Lösung 2 und 3 deuten an, dass ernsthaftes Arbeiten mit dem iPad ohne permanente Internetverbindung und ohne die Nutzung der Cloud kaum funktioniert. Wer aus Gründen des Datenschutzes und der Datensicherheit die Cloud meidet, bekommt Probleme. Rein lokal kann man mit dem iPad nur unzulänglich arbeiten und muss zu umständlichen Methoden wie dem Versenden von Dokumenten per E-Mail an sich selber oder zu iTunes greifen, wenn Dokumente ausgetauscht oder woanders weiter bearbeitet werden sollen.

Ein Nachteil des iPad bleibt jedoch – das fehlende Multitasking. In aller Regel ist immer nur ein Programm aktiv. Will man kurz mal was von einem in ein anderes Programm kopieren, heißt es: markieren – laufendes Programm schließen – neues Programm öffnen – einfügen – Programm schließen – ursprüngliches Programm wieder öffnen. Man gewöhnt sich daran.

Der unvermeidbare häufige Wechsel zwischen der externen Tastatur und dem Touch-Bildschirm ist irritierend und gewöhnungsbedürftig. So lange lediglich bestimmte Aktionen durch ein Berühren ausreichend großer Schaltflächen ausgelöst werden müssen, ist dies durchaus machbar. Richtig fummelig wird es beim copy & paste, da die „Anker“ zum Markieren recht klein geraten sind. Immerhein gibt es eine Reihe von hilfreichen Tastaturbefehlen.

Wer mit dem iPad arbeiten will, muss sich mit diesen Besonderheiten arrangieren.

Apps

Das Angebot an Apps für Textverarbeitung, Präsentationen usw. für das iPad ist recht gut. Ich arbeite u.a. mit diesen Apps:

Pages Ein funktionsreiches Textverarbeitungsprogramm.
iA Writer Ein Texteditor mit erweiterter Bildschirmtastatur für Navigation und Sonderzeichen.
PlainText Ein Texteditor mit Dropbox-Integration (kostenlos).
Keynote Ein funktionsreiches Präsentationsprogramm.
Evernote Notizen erstellen und verwalten (kostenlos).
Documents by Readdle  Ein Dateimanager und -betrachter (kostenlos) CloudOn Ein Dateimanager für Clouddienste wie Dropbox, Google Drive, Skydrive u.a., der auch die Bearbeitung von MS Office Dokumenten ermöglicht. (kostenlos).
Creative Book Builder Ein Werkzeug zum Erstellen von E-Books.
OpenVPN Connect Ein OVPN-Client (kostenlos).
Photoshop Express Einfache Bildbearbeitung (kostenlos).
Pinnacle Studio Videobearbeitung mit gutem Funktionsumfang (war mal kostenlos, kostet jetzt aber wieder …)
Und last but not least GoodReader. Die App war ursprünglich ein PDF-Reader, ist inzwischen jedoch eine Art Schweizer Taschenmesser für alle möglichen Aufgaben einschließlich Dateimanagement, Zugriff auf Clouddienste, FTP-Client usw. Good Reader ist auf dem iPad für mich unverzichtbar.

Da ich viel mit der Cloud arbeitet, brauche ich noch die Clients für wichtige Clouddienste. Dazu gehören Dropbox      Google Drive     ownCloud     SkyDrive    Teamdrive

Ausschlaggebend für die Auswahl der Apps waren Schnittstellen für den unkomplizierten Austausch von Daten über die Cloud. Nicht immer entsteht ein Dokument von Anfang bis Ende auf dem iPad. Häufig kommt es vor, dass ich ein Dokument auf dem PC oder Mac beginne und dann auf dem iPad weiter verarbeite. Oder natürlich auch umgekehrt: Ein Dokument entsteht auf dem PC oder Mac und wird dann (unterwegs) auf dem iPad zum Abschluss gebracht. Dies klappt nur dann problemlos, wenn eine App Dokumente bei iCloud, Dropbox, Skydrive, Google Drive usw. speichern und öffnen kann.

Arbeitsweisen

Google Drive und iCloud

Wann immer möglich arbeite ich direkt auf externen Servern. Diese Methode ist besonders unkompliziert. Sie hat den Vorteil, dass man sich nicht um lokale und entfernte Dateien kümmern und manchmal auch kein Programm laden muss, da man im Browser arbeiten kann. Und natürlich den Nachteil, dass ohne Internetverbindung oder bei Ausfall des Anbieters gar nichts geht! Bei Google Drive, früher als Google Docs bekannt, kann man Dokumente online erstellen und bearbeiten. Das kann im Browser oder mit Hilfe der  Google Drive App geschehen. Google Drive kann viele Dateiformate anzeigen und einige erstellen/bearbeiten. Textdokumente, Präsentationen, Tabellen, Zeichnungen und Formulare, die mit Google Drive erstellt werden, werden im eigenen, proprietären Format gespeichert. MS Office-Formate können angezeigt werden; zur weiteren Bearbeitung werden sie dann allerdings in das Google Drive-Format umgewandelt. Dokumente können als „Offline verfügbar“ gekennzeichnet und dann auch ohne Internetverbindung bearbeitet werden. Arbeiten mit Google Drive ist nicht iPad-spezifisch. Wer Google Drive auf dem iPad einsetzt, benutzt das Tablet als x-beliebigen Computer.

iCloud ist der Apple-eigene Speicher- und Synchronisationsdienst. Er arbeitet besonders gut mit Apps wie Pages und Keynote zusammen. Dort kann man auswählen, ob Dokumente in der iCloud oder lokal gespeichert werden sollen. Wählt man die iCloud als Speicherort aus, kann man praktisch beliebig zwischen unterschiedlichen Geräten hin und her springen, vorausgesetzt auf diesen Geräten laufen Programme/Apps, welche den Zugriff auf die iCloud ermöglichen. Die Textverarbeitung Pages und das Präsentationsprogramm Keynote bieten alles, was für ein vernünftiges Arbeiten nötig ist. Es gibt sie in zwei unterschiedlichen kostenpflichtigen Versionen für das Mac-Betriebssystem OS X und als App für das iPad. Pages und Keynote können mit wichtigen Fremdformaten umgehen und lesen/schreiben Dokumente in den Formaten Word, PDF, RTF, TXT und Powerpoint. So lange auf dem PC oder Mac ein Programm zur Verfügung steht, das die entsprechenden Formate schreiben kann, genügt es, die Pages und/oder Keynote App auf dem iPad zu haben.

Vorausgesetzt ich komme mit den Funktionen und Dateiformaten von Google Drive und/oder Pages bzw. Keynotes aus, ist dies für mich die unkomplizierteste Form des Arbeitens mit dem iPad. Wenn ich ein Dokument auf dem Mac beginne und später mit dem iPad weiter bearbeiten will, öffne ich Google Drive oder Pages/Keynote und mache einfach weiter.

„Offline“ arbeiten

Wenn ich mal ohne Internetverbindung bin und an einem Text schreibe, arbeite ich bevorzugt mit iA Writer, einem einfachen Texteditor mit einer sehr nützlichen erweiterter Bildschirmtastatur (für Navigation und Sonderzeichen) und guter Dropbox- sowie iCloud-Integration. Habe ich wieder eine Internetverbindung, lade ich das entstandene Dokument zu einem Clouddienst hoch oder schicke es mir zur Not per Mail zu, um es dann in einer anderen App zu öffnen.

ipad_iawriter

Um das Dokument weiterzugeben, kommen die drei „klassischen“ iPad-Methoden in Frage: Email,, Cloud-Dienst und Open in…

You have mail

ipad_writer_email

Das geht eigentlich immer. Die meisten Apps bieten die Möglichkeit, Dokumente per E-Mail zu versenden. Wählt man die eigene Mail-Adresse, kann man das Dokument später bearbeiten – mit einer anderen App auf dem iPad oder auf dem PC.

Dropbox oder iCloud

ipad_writer_dbox

Ist die Integration von Dropbox, iCloud oder einem anderen Speicherdienst in der Wolke Teil der App, kann man alle Dokumente automatisch in der Cloud speichern und sie später mit einem Programm seiner Wahl erneut öffnen und weiter bearbeiten.

Open in …

ipad_writer_openin

Ein weiterer „Zauberknopf“, den es praktisch in jeder App gibt, ist das nach rechts zeigende „open in“-Pfeilsymbol. Es bietet an, ein Dokument mit einer anderen Anwendung zu öffnen. In unserem Beispiel kommt die Textverarbeitung Pages in Frage. Alternativ kann auch Dropbox, ownCloud oder Google Drive gewählt werden.

Wenn alle Stricke reißen – iTunes

Wer – aus welchen Gründen auch immer – der Cloud misstraut, ist – neben dem Austausch per E-Mail – auf  iTunes angewiesen, wenn er Daten vom PC/Mac auf das iPad (oder umgekehrt) bekommen will. Das iPad ist dazu per Kabel oder WLAN mit dem Rechner zu verbinden, auf dem iTunes läuft.

Unter dem Reiter „Apps“ ermöglicht iTunes den Zugriff auf einen Teil des Dateisystems des iPad.

itunes_apps

Scrollt man nach unten, taucht die Abteilung „Dateifreigabe“ auf. Hier hat man die Möglichkeit, Dokumente zwischen iPad und Computer per drag & drop zu übertragen.

itunes_dateifreigabe

Ich konnte mich nie mit iTunes anfreunden und bin noch immer der Meinung, das iTunes eines der wenigen Programme, ist, wo Apple kräftig daneben gelangt hat. Aber zur Not geht es …

Und zum Schluss: GoodReader

GoodReader (€ 4,49) ist usprünglich als PDF-Betrachter gestartet und hat sich inzwischen zu einem vielseitigen Werkzeug für zahlreiche Aufgaben auf dem iPad entwickelt. GoodReader kann viele Dateiformate anzeigen und einige bearbeiten, Dateien verwalten, Dateien aus dem Internet herunterladen und sich mit lokalen und externen Servern verbinden. Natürlich ist Goodreader auch in seinem eigentlichen Metier – PDF-Dateien – eine sehr gute App. PDFs lassen sich auf vielfältige Weise bearbeiten, markieren und kommentieren.

Wer ernsthaft mit dem iPad arbeiten will, sollte GoodReader haben.

Fazit

Arbeiten mit dem iPad geht ganz gut, wenn man sich auf die besonderen Gegebenheiten einlässt und bereit ist, die eine oder andere Einschränkung hinzunehmen.  Für bestimmte Aufgaben – spontan fallen mir Foto- und Videobearbeitung, Webseiten erstellen, an E-Books arbeiten ein – ist mir allerdings ein großer Monitor, eine gute Tastatur und eine Maus immer noch lieber als das iPad …

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1 Antwort zu Arbeiten mit dem iPad

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